Archiv der Kategorie 'Dates'

Café Négation, Januar 2012: Antisemitismus in der DDR

Im Januar wird Johanna Stoll vom Hatikva Dresden zur Genese der jüdischen
Gemeinde Dresden seit 1945 und damit verbunden über Antisemitimus in der DDR
referieren.

„Juden in der DDR – zwischen Toleranz, Ignoranz und Repressionen“

Die DDR verstand sich selbst als demokratischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Staat, in dem es für rassistische und antisemitische Ideologien keinen Raum gab. Die ersten Nachkriegsjahre im Osten Deutschlands waren geprägt durch den Willen zu einem konsequenten politischen Neuanfang. Für den Aufbau dieses antifaschistischen Staates setzen sich aktiv auch jene Jüdinnen und Juden ein, die den Holocaust durch Emigration oder in den Konzentrationslagern und Gefängnissen der Nazis überlebt hatten und ganz bewusst in diesen Teil Deutschlands (zurück) gekommen waren.

Wie jedoch gestaltete sich das Verhältnis zwischen der DDR-Führung und den hier lebenden Juden und ihren Gemeinden? Wie sah die DDR den Staat Israel? Gab es in der DDR strukturellen und individuellen Antisemitismus und Antizionismus? Wenn ja, wo waren die Ursachen dafür und welche Auswirkungen hatten derartige Einstellungen auf die in der DDR lebenden Jüdinnen und Juden und deren Gemeinden?

Mit diesen Fragen setzt sich der Vortrag „Juden in der DDR – zwischen Toleranz, Ignoranz und Repressionen“ auseinander, theoretisch und am Beispiel der Jüdischen Gemeinden in Sachsen.

Referentin:Johanna Stoll (Dipl.soz.päd./ Mitarbeiterin HATiKVA e.V.)


[Honecker und Arafat]

Sonntag, 15.01.12
ab 15h @ RM 16

Café Dezember ’11

Kritik des (linken) Antizionismus

Seit dem 19. Jahrhundert lehnte die Mehrheit der sozialistischen und
kommunistischen Linken den Zionismus ab. Diese Position wurde, wenn man
neueren Veröffentlichungen zum Antisemitismus in der Linken folgt, erst
nach 1945 problematisch. Bis dahin soll es sich um eine rein politische
Haltung gehandelt haben, erst nach 1945 diente der Begriff “Zionismus”
dazu, die Verfolgungen von Jüdinnen und Juden in den sozialistischen
Staaten unter Stalin zu rechtfertigen.

Der Vortrag rekonstruiert an ausgewählten historischen Beispielen die
Geschichte des Antizionismus innerhalb des Marxismus-Leninismus und
zeigt, welche
Gründe für die Ablehnung des Zionismus angeführt wurden und welchen
Bedeutungswandel der Begriff “Zionismus” seit Beginn des 20. Jahrhunderts
erfuhr. Dabei wird der Vortrag deutlich machen, inwiefern der Antizionismus
der Kommunistischen Partei Deutschlands schon vor 1933 antisemitische Züge
trug und sich gegen Jüdinnen und Juden richtete, die die Idee eines
jüdischen Staates in Palästina ablehnten.

Referent: Olaf Kistenmacher, Historiker, kommt aus Hamburg.

Sonntag, 18.12.11
ab 15h @ RM16

Jüngere Veröffentlichungen zum Thema:
Klassenkämpfer wider Willen. Die KPD und der Antisemitismus in der Weimarer
Republik, Jungle World 28, 14. Juli 2011.
Vom “Judenkapital” zur “jüdisch-faschistischen Legion in Jerusalem”. Zur
Entwicklung des “Antizionismus” in der Kommunistischen Partei Deutschlands
in der Weimarer Republik, 1925-1933, in: associazione delle
talpe/Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen (Hg.): Maulwurfsarbeit. Aufklärung
und Debatte, Kritik und Subversion, Berlin 2010, S. 84-95.

Gemeinsamer Stadtrundgang zur Geschichte der Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Dresden im Nationalsozialismus

Seit 2008 existiert die Möglichkeit das audioscript in Dresden für eine Erinnerungskultur zu nutzen, welche nicht die vermeintlich deutschen Opfer des NS in Dresden in den Fokus rückt. Wir wollen mit euch zusammen diesen Stadtrundgang zu verschiedenen Orten durchführen. In einzelnen Audiotracks wird der antisemitische Wahn in Dresden exemplarisch aufgezeigt. Dabei wird vor Allem das individuelle Leiden durch das Verwenden von autobiographischem Material von Überlebenden stark gemacht und dieses in den Kontext einer kritischen Theorie gestellt, die die Shoa nicht historisiert, sondern sie als Zivilisationsbruch zum Ausgangspunkt jedes philosophischen Überlegens macht.
Der Rundgang soll uns und euch als Motivation dienen dieses Projekt kennen zu lernen. Ebenso soll eine Auseinandersetzung mit der dresdner (Nazi-) Stadtgeschichte angestoßen werden. Ihr benötigt dafür einen MP3 Player, auf den ihr euch die Tracks ladet.

Wann:
Sonntag, 11.12.11
14h @ Stadtmuseum Dresden

Café im November

“(…) das Gerücht über die Juden.” Eine Einführung zum Antisemitismus.

„Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Mit dieser kurzen Formel benannte Adorno den Gehalt und die Form des Antisemitismus. Eines der langlebigsten und liebgewonnenen Gerüchte ist dabei die Vorstellung von der uneingeschränkten Macht „des Juden“ im Wirtschaftsleben. Eine Weltdeutung, die nahezu gegen jede Form der Aufklärung resistent ist. Warum und wie es dazu gekommen ist, soll der einführende Vortrag historisch skizzieren. Ausgehend vom christlich motivierten Antijudaismus des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis hin zur Vernichtungsideologie des Nationalsozialismus wird das gesellschaftsfähige Ressentiment vorgestellt. Nach Auschwitz ist aber weder der Antisemitismus noch der Vernichtungswille Geschichte, im Gegenteil: der moderne Antisemitismus schlägt sich in allen Teilen der Gesellschaft Bahn. Daher ist auch der moderne Antisemitismus und seine verschiedenen Spielarten Gegenstand des Vortrags.

Sonntag, 20.11.11
ab 15h
Klub RM 16 Dresden

Café August

Nachdem im Juli mit einem einführenden Workshop die Reihe zur ‚regressiven
Kapitalismuskritik‘ begonnen wurde, erwartet euch am 21. August um 15h ein Vortrag von Sebastian Voigt zum Thema Antiamerikanismus.

Hass auf Amerika.
Über die historische
Entstehung und die Gegenwärtigkeit des
Antiamerikanismus

In Europa ist die politische und gesellschaftliche Besonderheit
Amerikas bis heute kaum verstanden worden. Dies ist einer der Gründe
für den weit verbreiteten Antiamerikanismus, der eine jahrhundertlange
Tradition besitzt. Wie die Auseinandersetzung um den Irakkrieg und die
Diskussion um die Wahl Barack Obamas zeigen, ist die Abneigung gegen
Amerika abhängig von der politischen Entwicklung. Dies ist aber
keineswegs als Erklärung ausreichend. Im Vortrag soll deshalb die
geschichtliche Entstehung und Entwicklung des Antiamerikanismus
beleuchtet werden.
Entgegen einer weit verbreiteten Sicht war Amerika historisch oft der
einzige Fluchtpunkt für politisch Verfolgte. Außerdem bot es für
Millionen Einwanderer, die einer schlechten wirtschaftlichen Situation
zu entfliehen suchten, die Möglichkeit eines Neuanfangs.
Aufgrund der bis heute anhaltenden Einwanderung haben sich politische
Strukturen herausgebildet, die Amerika als Nationalstaat von den
europäischen unterscheidet. Hierzu gehört auch ein Verständnis der
Staatsbürgerschaft, das immer wieder neu aushandeln muss, was es
bedeutet „Amerikaner zu sein“.

Der Referent Sebastian Voigt ist Doktorand an der Universität Leipzig.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. bei der Ideengeschichte der
Vereinigten Staaten von Amerika und der Geschichte des modernen
Antisemitismus und Antiamerikanismus.

Café im Juni

Im Juni ist Claudia Barth als Referentin mit einem Vortrag zur Einführung in die Kritik der Esoterik beim Café Négation zu Gast. Basierend auf ihrem Buch Über alles in der Welt. Esoterik und Leitkultur wird sie uns über Glauben jenseits der großen Monotheismen informieren:

Esoterik ist en vogue. Als relativ junge Religion, in Deutschland vor etwa 150 Jahren parallel mit der Reichsgründung entstanden, transportiert sie nationale Mythen, rassistisch-völkisches Gedankengut und bietet sich als adäquate Religionsform der Moderne an.
Nach dem Einblick in die Geschichte und die Grundlagen esoterischen Denkens geht es im zweiten Teil der Veranstaltung um Gründe für ihren massenhaften Gebrauch. Esoterische Ratgeber versprechen individuelle Möglichkeiten, dem Druck der derzeitigen Arbeitswelt – permanentes Selbst-Empowerment zum „Arbeitskraftunternehmer“ – stand zu halten.
Esoterik: Ecstasy des Bürgers?

Möge euch also euer Schicksal am 19. Juni ab 15 Uhr in die RM 16 verschlagen, zur Abschlussveranstaltung der religionskritischen Reihe.
Amen.

Café im Mai

Im Mai referiert Lars Quadfasel im Café Négation zur Kritik von Religion und Religionskritik. Wie gewohnt ab 15 Uhr in der Robert-Matzke-Straße 16.

Der heilige Schein des Kapitals

Kritik der Religion hat es im Spätkapitalismus mit einem Paradox zu tun: Die Kirchen, einst Herrn über Könige und Kaiser, sind zum Hilfsinstitut für Seelenhygiene herabgestürzt. Ihre Dome wurden zu Touristenattraktionen, ihre Prediger zu Showmastern, ihr Papst zum österlichen Grußaugust. Und doch scheint Gott sich als sentimentales Andenken an frommere Tage pudelwohl zu fühlen. Widerlegt, erledigt und entmachtet, hat sich die Religion mit ihrem Sturz nicht bloß arrangiert, sondern daraus neue Kraft geschöpft. Als Sinnressource für die besonderen Momente profitiert sie vom Tabu, dass niemand über die privaten Feierabendvergnügen anderer zu spotten hat. Wer es dennoch tut, erfährt schnell, dass auch ein Wellnessgott alles andere als gemütlich ist.
Spätestens seit dem weltweiten Erfolg der islamischen Glaubensoffensive gelten auch im Westen »religiöse Gefühle« wieder als schützenswertes Gut: Woran einer glaube, und sei es an Djihad, Scharia und Frauenhass, verdiene allemal Respekt. Seither verzeichnen auch die christlich-kulturindustriellen Gottesspektakel wieder Zuschauerrekorde; und wer es statt der eingeborenen Kulte lieber etwas exotischer hat, jubelt einem abgesetzten tibetanischen Feudalherrn zu. Aus dem zwanghaften Drang, an irgend etwas zu glauben, spricht freilich nichs als der Wunsch nach einem Halt, egal woran: nach unbedingter Autorität. Adorno nannte derartige Pseudoreligiosität, die von Blasphemie kaum zu unterscheiden ist, den »ungeglaubten Glauben«.

Dessen Bedeutung verfehlt die Mehrzahl derer, die lautstark gegen Kirchentage und Papstbesuche mobil machen. Antiklerikale Aktivisten inszenieren sich als militante Vorhut des allgemeinen Common Sense, während ihre intellektuellen Stichwortgeber, Christopher Hitchens oder Richard Dawkins, den Heiligen Schriften Fehler nachweisen und dabei Religion einmal mehr auf Priestertrug reduzieren. Deren Positivismus stößt sich an dem theologischen Dogma, dass das, was ist, nicht alles ist: an genau dem unbedingten Wahrheitsanspruch also, den der Materialismus zu retten hätte – vor ungläubigen Pfaffen wie vor gläubigen Atheisten.

Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und schreibt u. a. für konkret, Jungle World und das Bremer Extrablatt. Seine Aufsätze zu »Buffy the Vampire Slayer« sind soeben im Sammelband »Horror als Alltag« im Verbrecher Verlag erschienen.

siehe auch:

Gottes Spektakel, Zur Metakritik von Religion und Religionskritik
Epilog: Der postmoderne Apostel
1. Teil: Aspekte des ungeglaubten Glaubens, oder:
Der heilige Schein des Kapitals

2. Teil: Liquidation Gottes, Rettung der Theologie

Religionsfreie Zone zum Kirchetag in Dresden

Die „Gesellschaft zur Förderung von Aufklärung, Humanismus und Religions-Freiheit“ wird zum evangelischen Kirchentag ein Gegenprogramm mit diversen Veranstaltungen anbieten. Bei Vorträgen, Filmen und Diskussionen, soll ein Kontrast zum Gottesspektakel rund um die Frauenkirche in Dresden gesetzt werden.

Café Négation im April


Im April widmet sich das Café mit einem Vortrag von Mark Schumacher der Religionskritik nach Walter Benjamin:
Religion & Kapitalismus, Business & Wahnsinn.
Überlegungen zur Religionskritik nach Benjamin.

Sonnatg, 17.04.11
15:30h
RM 16

Religion und Kapitalismus kommen, als Vater und Sohn oder als feindliche Brüder, offensichtlich ganz gut miteinander aus. Die Hoffnung, der Kapitalismus würde wenigstens säkulare Verhältnisse schaffen, wird alltäglich enttäuscht. „Alles Stehende und Ständische verdampft, alles Heilige wird entweiht“, hieß es im Kommunistischen Manifest – ja, und doch steht die Religion wieder vor der Tür, als Business, als Lifestyle, als Fundamentalismus. Laut Benjamin ist der Kapitalismus selbst „eine reine Kultreligion, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat“. Der ganz normale Wahnsinn, in der Krise besonders augenfällig: notwendig fetischistisch jeden Tag Waren zu tauschen und die Selbstbewegung der Dinge voranzutreiben.
Was sind angesichts dieser Konstellationen von Business und Wahnsinn Fragen einer Religions- als Kapitalismuskritik? Einer Kritik, die weder religiöse Strukturen nachbastelt, weil sie sich vorschnell drüberhinaus meint, noch das Versprechen auf grundlegend andere Verhältnisse kassiert?