Archiv der Kategorie 'Sonstiges'

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Im März 2012 beginnt unsere Reihe zur Analyse und Kritik Postmoderner Theorie.

Auswertung der Reihe zur Kritik des Antisemitismus und Antizionismus im Café Négation

Auch wenn es eventuell nicht so stringent wirkte, wie es geplant war, haben wir uns in den letzten vier Monaten mit der Kritik am Antisemitismus und Antizionismus auseinander gesetzt. Um uns diesem Themenkomplex zu nähern begannen wir zunächst im Oktober 2011 damit den Dokumentarfilm Shoah von Claude Lanzmann gemeinsam zu schauen. Der ergreifende Film warf viele Aspekte auf, welche in den folgenden Monaten wieder aufgegriffen wurden, wie zum Beispiel Holocaust und deutsche Schuld oder die Besonderheiten des modernen Antisemitismus.
Im folgenden findet ihr nun Auswertungen der einzelnen Veranstaltungen.
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Café Négation, Januar 2012: Antisemitismus in der DDR

Im Januar wird Johanna Stoll vom Hatikva Dresden zur Genese der jüdischen
Gemeinde Dresden seit 1945 und damit verbunden über Antisemitimus in der DDR
referieren.

„Juden in der DDR – zwischen Toleranz, Ignoranz und Repressionen“

Die DDR verstand sich selbst als demokratischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Staat, in dem es für rassistische und antisemitische Ideologien keinen Raum gab. Die ersten Nachkriegsjahre im Osten Deutschlands waren geprägt durch den Willen zu einem konsequenten politischen Neuanfang. Für den Aufbau dieses antifaschistischen Staates setzen sich aktiv auch jene Jüdinnen und Juden ein, die den Holocaust durch Emigration oder in den Konzentrationslagern und Gefängnissen der Nazis überlebt hatten und ganz bewusst in diesen Teil Deutschlands (zurück) gekommen waren.

Wie jedoch gestaltete sich das Verhältnis zwischen der DDR-Führung und den hier lebenden Juden und ihren Gemeinden? Wie sah die DDR den Staat Israel? Gab es in der DDR strukturellen und individuellen Antisemitismus und Antizionismus? Wenn ja, wo waren die Ursachen dafür und welche Auswirkungen hatten derartige Einstellungen auf die in der DDR lebenden Jüdinnen und Juden und deren Gemeinden?

Mit diesen Fragen setzt sich der Vortrag „Juden in der DDR – zwischen Toleranz, Ignoranz und Repressionen“ auseinander, theoretisch und am Beispiel der Jüdischen Gemeinden in Sachsen.

Referentin:Johanna Stoll (Dipl.soz.päd./ Mitarbeiterin HATiKVA e.V.)


[Honecker und Arafat]

Sonntag, 15.01.12
ab 15h @ RM 16

Audio-Mitschnitt: Kritik des linken Antizionismus

Olaf Kistenmacher referierte am 18. Dezember über linken Antizionismus, welcher sich besonders in der ‚Roten Fahne‘ nachvollziehen lässt. Zur Veranschaulichung sei hier neben dem Audio-Mitschnitt auch auf die Zitat- und Bildersammlung des Vortrages verwiesen.

Cafe Dezember: Olaf Kistenmacher zur Kritik des linken Antizionismus by cafenegation2

Gemeinsamer Stadtrundgang zur Geschichte der Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Dresden im Nationalsozialismus

Seit 2008 existiert die Möglichkeit das audioscript in Dresden für eine Erinnerungskultur zu nutzen, welche nicht die vermeintlich deutschen Opfer des NS in Dresden in den Fokus rückt. Wir wollen mit euch zusammen diesen Stadtrundgang zu verschiedenen Orten durchführen. In einzelnen Audiotracks wird der antisemitische Wahn in Dresden exemplarisch aufgezeigt. Dabei wird vor Allem das individuelle Leiden durch das Verwenden von autobiographischem Material von Überlebenden stark gemacht und dieses in den Kontext einer kritischen Theorie gestellt, die die Shoa nicht historisiert, sondern sie als Zivilisationsbruch zum Ausgangspunkt jedes philosophischen Überlegens macht.
Der Rundgang soll uns und euch als Motivation dienen dieses Projekt kennen zu lernen. Ebenso soll eine Auseinandersetzung mit der dresdner (Nazi-) Stadtgeschichte angestoßen werden. Ihr benötigt dafür einen MP3 Player, auf den ihr euch die Tracks ladet.

Wann:
Sonntag, 11.12.11
14h @ Stadtmuseum Dresden

Café im November

“(…) das Gerücht über die Juden.” Eine Einführung zum Antisemitismus.

„Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Mit dieser kurzen Formel benannte Adorno den Gehalt und die Form des Antisemitismus. Eines der langlebigsten und liebgewonnenen Gerüchte ist dabei die Vorstellung von der uneingeschränkten Macht „des Juden“ im Wirtschaftsleben. Eine Weltdeutung, die nahezu gegen jede Form der Aufklärung resistent ist. Warum und wie es dazu gekommen ist, soll der einführende Vortrag historisch skizzieren. Ausgehend vom christlich motivierten Antijudaismus des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis hin zur Vernichtungsideologie des Nationalsozialismus wird das gesellschaftsfähige Ressentiment vorgestellt. Nach Auschwitz ist aber weder der Antisemitismus noch der Vernichtungswille Geschichte, im Gegenteil: der moderne Antisemitismus schlägt sich in allen Teilen der Gesellschaft Bahn. Daher ist auch der moderne Antisemitismus und seine verschiedenen Spielarten Gegenstand des Vortrags.

Sonntag, 20.11.11
ab 15h
Klub RM 16 Dresden

Review: August bis September im Café Négation

Im ersten Cafe aus der Reihe “Kapitalismuskritik und regressive Kritik” sollte eine Grundlage für die weiteren Veranstaltungen geschaffen werden, indem die marxsche Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsformation umrissen wurde. Dazu wurden eingangs die grundlegenden Kategorien Wert, Ware, abstrakte und konkrete Arbeit, sowie Wert- und Warenfetisch erklärt, um in einem zweiten Teil anhand verschiedener Texte den Warenfetisch näher zu betrachten.
Bei der Auswertung der Textarbeit stellte sich jedoch heraus, dass das einseitige Fokussieren auf den Fetischcharakter wenig hilfreich war oder zumindest auch eine Textarbeit an den Grundbegriffen selbst hilfreich gewesen wäre. Auch eine nähere Erläuterung der Wertformanalyse hätte sicher nicht geschadet, auch wenn fraglich bleibt, ob das in dem gegeben zeitlichen Rahmen ohne zu große Vergröberungen geglückt wäre.
Abschließend blieb festzuhalten, dass die Lektüre der guten alten blauen Bücher niemandem durch einen Workshop abgenommen werden kann; in diesem Sinne viel Spass mit MEW 23-25 :)

Im August referierte dann Sebastian Voigt zu Historie und Gegenstand des Antiamerikanismus. 9/11 und die daraus entstandenen Verschwörungstheorien, sowie Ressentimentwellen und die überwiegend amtiimperialistische Grundhaltung der deutschen Linken, seien ausschlaggebend für seine tiefgreifende theoretische Auseinandersetzung mit dem Antiamerikanismus gewesen, welcher bereits eine lange Tradition aufweisen würde.
Dabei wurde als grundlegend für die Analyse und das Verstehen dieses Phänomens die nötige Differenzierung zwischen aktueller Tagespolitik der USA und einer ideologische Ebene, in welche Ressentiments wie bspw. Kulturlosigkeit und Materialismus, eingebettet wären, dargelegt.
Grundsätzlich wurde Antiamerikanismus durch drei Kriterien charakterisiert. Einerseits die Dämonisierung (Vergleich der USA mit dem Nationalsozialismus), weiterhin die Deligitimation (bloße Existenz der USA wird als Weltübel betrachtet) und schließlich das Messen mit doppelten Standards ( z.B. jeder US Militäreinsatz löst Demonstrationen aus, Solidarität mit den Widerständen gegen arabische Regime bleibt aber überwiegend aus).
Der Referent erläuterte weiterhin, dass aufgrund der amerikanischen Geschichte, die ursächlich für das Fehlen einer Leitkultur ist, die eigene Identität nicht an ein homogenes Kollektiv gekoppelt sei, sondern sich auf einen gemeinsamen Wertekanon beruft, was somit Individualismus ermögliche. Damit sei auch eine Gleichsetzung von bspw. deutschem und amerikanischem Nationalbewusstsein falsch und impliziert damit auch, dass die Konstitution von Antiamerikanismus oftmals auch mit fehlender Analyse ideologischer und historischer Gehalte einhergeht und diese somit umso mehr fordert.
Hass auf Amerika (Sebastian Voigt) by cafenegation

Rüdiger Mats nahm im September schließlich eine Analyse der kapitalistischen Zustände der letzten zwanzig Jahre vor. Die Krise als zyklisches Strukturproblem wurde dabei näher beleuchtet. Ebenso wurde die Verschlechterung der Lebensverhältnisse (besonders in Form von Armut) nachgezeichnet. Die Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft würde durch solche Phänomene zwar wachsen, allerdings könne sich der Staat bei Wirtschaftskrisen immer wieder als Retter generieren, beziehungsweise würde er dies direkt von Keynesianer_innen, welche eine bessere Verwaltung des Kapitalismus durch den Staat einfordern. Was daraus folgt, oder folgen sollte, sei schwer zu sagen. Die Schlagworte Arbeitskampf und Organisation waren dabei jedoch elementar. Bemerkenswert in der Diskussion war dabei, dass viele Gäste das Bedürfnis nach Handlungsanweisungen und Organisationsformen für eine Überwindung, oder wenigstens eine Alternativ-Nische zum Kapitalismus artikulierten. Die Revolution lässt allerdings weiterhin auf sich warten, wobei auch immer die Möglichkeit einer negativen Aufhebung des Kapitalverhältnisses bedacht werden muss.

Zum Schluss noch einmal ein großes Dankeschön an die Referenten, an die Rosa-Luxemburg-Stiftung für die Finanzierungshilfe, an das Coloradio und den Buchladen König-Kurt für die Koorperation, an die RM16 für die Nutzung der Räumlichkeiten und für die köstlichen veganen Cupcakes, die unseren Anspruch als Café auf eine neue Dimension befördert haben. In diesem Sinne:

Café. Cupcakes. Communismus.

Café im Juni

Im Juni ist Claudia Barth als Referentin mit einem Vortrag zur Einführung in die Kritik der Esoterik beim Café Négation zu Gast. Basierend auf ihrem Buch Über alles in der Welt. Esoterik und Leitkultur wird sie uns über Glauben jenseits der großen Monotheismen informieren:

Esoterik ist en vogue. Als relativ junge Religion, in Deutschland vor etwa 150 Jahren parallel mit der Reichsgründung entstanden, transportiert sie nationale Mythen, rassistisch-völkisches Gedankengut und bietet sich als adäquate Religionsform der Moderne an.
Nach dem Einblick in die Geschichte und die Grundlagen esoterischen Denkens geht es im zweiten Teil der Veranstaltung um Gründe für ihren massenhaften Gebrauch. Esoterische Ratgeber versprechen individuelle Möglichkeiten, dem Druck der derzeitigen Arbeitswelt – permanentes Selbst-Empowerment zum „Arbeitskraftunternehmer“ – stand zu halten.
Esoterik: Ecstasy des Bürgers?

Möge euch also euer Schicksal am 19. Juni ab 15 Uhr in die RM 16 verschlagen, zur Abschlussveranstaltung der religionskritischen Reihe.
Amen.

Nachtrag zum Vortrag mit Lars Quadfasel

Ein Veranstaltungsmitschnitt des Vortrags zur Kritik der Religion und Religionskritik mit Lars Quadfasel wird in Zusammenarbeit mit dem Coloradio Dresden in einer Sendung am Samstag den 11.6.2011 zwischen 14-16 Uhr ausgestrahlt werden. An dieser Stelle vielen Dank an Coloradio und euch viel Spaß beim Hörkino.

[Link zum Mitschnitt]

Café im Mai

Im Mai referiert Lars Quadfasel im Café Négation zur Kritik von Religion und Religionskritik. Wie gewohnt ab 15 Uhr in der Robert-Matzke-Straße 16.

Der heilige Schein des Kapitals

Kritik der Religion hat es im Spätkapitalismus mit einem Paradox zu tun: Die Kirchen, einst Herrn über Könige und Kaiser, sind zum Hilfsinstitut für Seelenhygiene herabgestürzt. Ihre Dome wurden zu Touristenattraktionen, ihre Prediger zu Showmastern, ihr Papst zum österlichen Grußaugust. Und doch scheint Gott sich als sentimentales Andenken an frommere Tage pudelwohl zu fühlen. Widerlegt, erledigt und entmachtet, hat sich die Religion mit ihrem Sturz nicht bloß arrangiert, sondern daraus neue Kraft geschöpft. Als Sinnressource für die besonderen Momente profitiert sie vom Tabu, dass niemand über die privaten Feierabendvergnügen anderer zu spotten hat. Wer es dennoch tut, erfährt schnell, dass auch ein Wellnessgott alles andere als gemütlich ist.
Spätestens seit dem weltweiten Erfolg der islamischen Glaubensoffensive gelten auch im Westen »religiöse Gefühle« wieder als schützenswertes Gut: Woran einer glaube, und sei es an Djihad, Scharia und Frauenhass, verdiene allemal Respekt. Seither verzeichnen auch die christlich-kulturindustriellen Gottesspektakel wieder Zuschauerrekorde; und wer es statt der eingeborenen Kulte lieber etwas exotischer hat, jubelt einem abgesetzten tibetanischen Feudalherrn zu. Aus dem zwanghaften Drang, an irgend etwas zu glauben, spricht freilich nichs als der Wunsch nach einem Halt, egal woran: nach unbedingter Autorität. Adorno nannte derartige Pseudoreligiosität, die von Blasphemie kaum zu unterscheiden ist, den »ungeglaubten Glauben«.

Dessen Bedeutung verfehlt die Mehrzahl derer, die lautstark gegen Kirchentage und Papstbesuche mobil machen. Antiklerikale Aktivisten inszenieren sich als militante Vorhut des allgemeinen Common Sense, während ihre intellektuellen Stichwortgeber, Christopher Hitchens oder Richard Dawkins, den Heiligen Schriften Fehler nachweisen und dabei Religion einmal mehr auf Priestertrug reduzieren. Deren Positivismus stößt sich an dem theologischen Dogma, dass das, was ist, nicht alles ist: an genau dem unbedingten Wahrheitsanspruch also, den der Materialismus zu retten hätte – vor ungläubigen Pfaffen wie vor gläubigen Atheisten.

Lars Quadfasel ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und schreibt u. a. für konkret, Jungle World und das Bremer Extrablatt. Seine Aufsätze zu »Buffy the Vampire Slayer« sind soeben im Sammelband »Horror als Alltag« im Verbrecher Verlag erschienen.

siehe auch:

Gottes Spektakel, Zur Metakritik von Religion und Religionskritik
Epilog: Der postmoderne Apostel
1. Teil: Aspekte des ungeglaubten Glaubens, oder:
Der heilige Schein des Kapitals

2. Teil: Liquidation Gottes, Rettung der Theologie