Review: August bis September im Café Négation

Im ersten Cafe aus der Reihe “Kapitalismuskritik und regressive Kritik” sollte eine Grundlage für die weiteren Veranstaltungen geschaffen werden, indem die marxsche Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsformation umrissen wurde. Dazu wurden eingangs die grundlegenden Kategorien Wert, Ware, abstrakte und konkrete Arbeit, sowie Wert- und Warenfetisch erklärt, um in einem zweiten Teil anhand verschiedener Texte den Warenfetisch näher zu betrachten.
Bei der Auswertung der Textarbeit stellte sich jedoch heraus, dass das einseitige Fokussieren auf den Fetischcharakter wenig hilfreich war oder zumindest auch eine Textarbeit an den Grundbegriffen selbst hilfreich gewesen wäre. Auch eine nähere Erläuterung der Wertformanalyse hätte sicher nicht geschadet, auch wenn fraglich bleibt, ob das in dem gegeben zeitlichen Rahmen ohne zu große Vergröberungen geglückt wäre.
Abschließend blieb festzuhalten, dass die Lektüre der guten alten blauen Bücher niemandem durch einen Workshop abgenommen werden kann; in diesem Sinne viel Spass mit MEW 23-25 :)

Im August referierte dann Sebastian Voigt zu Historie und Gegenstand des Antiamerikanismus. 9/11 und die daraus entstandenen Verschwörungstheorien, sowie Ressentimentwellen und die überwiegend amtiimperialistische Grundhaltung der deutschen Linken, seien ausschlaggebend für seine tiefgreifende theoretische Auseinandersetzung mit dem Antiamerikanismus gewesen, welcher bereits eine lange Tradition aufweisen würde.
Dabei wurde als grundlegend für die Analyse und das Verstehen dieses Phänomens die nötige Differenzierung zwischen aktueller Tagespolitik der USA und einer ideologische Ebene, in welche Ressentiments wie bspw. Kulturlosigkeit und Materialismus, eingebettet wären, dargelegt.
Grundsätzlich wurde Antiamerikanismus durch drei Kriterien charakterisiert. Einerseits die Dämonisierung (Vergleich der USA mit dem Nationalsozialismus), weiterhin die Deligitimation (bloße Existenz der USA wird als Weltübel betrachtet) und schließlich das Messen mit doppelten Standards ( z.B. jeder US Militäreinsatz löst Demonstrationen aus, Solidarität mit den Widerständen gegen arabische Regime bleibt aber überwiegend aus).
Der Referent erläuterte weiterhin, dass aufgrund der amerikanischen Geschichte, die ursächlich für das Fehlen einer Leitkultur ist, die eigene Identität nicht an ein homogenes Kollektiv gekoppelt sei, sondern sich auf einen gemeinsamen Wertekanon beruft, was somit Individualismus ermögliche. Damit sei auch eine Gleichsetzung von bspw. deutschem und amerikanischem Nationalbewusstsein falsch und impliziert damit auch, dass die Konstitution von Antiamerikanismus oftmals auch mit fehlender Analyse ideologischer und historischer Gehalte einhergeht und diese somit umso mehr fordert.
Hass auf Amerika (Sebastian Voigt) by cafenegation

Rüdiger Mats nahm im September schließlich eine Analyse der kapitalistischen Zustände der letzten zwanzig Jahre vor. Die Krise als zyklisches Strukturproblem wurde dabei näher beleuchtet. Ebenso wurde die Verschlechterung der Lebensverhältnisse (besonders in Form von Armut) nachgezeichnet. Die Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft würde durch solche Phänomene zwar wachsen, allerdings könne sich der Staat bei Wirtschaftskrisen immer wieder als Retter generieren, beziehungsweise würde er dies direkt von Keynesianer_innen, welche eine bessere Verwaltung des Kapitalismus durch den Staat einfordern. Was daraus folgt, oder folgen sollte, sei schwer zu sagen. Die Schlagworte Arbeitskampf und Organisation waren dabei jedoch elementar. Bemerkenswert in der Diskussion war dabei, dass viele Gäste das Bedürfnis nach Handlungsanweisungen und Organisationsformen für eine Überwindung, oder wenigstens eine Alternativ-Nische zum Kapitalismus artikulierten. Die Revolution lässt allerdings weiterhin auf sich warten, wobei auch immer die Möglichkeit einer negativen Aufhebung des Kapitalverhältnisses bedacht werden muss.

Zum Schluss noch einmal ein großes Dankeschön an die Referenten, an die Rosa-Luxemburg-Stiftung für die Finanzierungshilfe, an das Coloradio und den Buchladen König-Kurt für die Koorperation, an die RM16 für die Nutzung der Räumlichkeiten und für die köstlichen veganen Cupcakes, die unseren Anspruch als Café auf eine neue Dimension befördert haben. In diesem Sinne:

Café. Cupcakes. Communismus.