Rückblick auf Einführungsworkshop

Der letzte linke Student ist müde. Sogar arg müde ist der letzte linke Student. Aber was macht den letzten linken Studenten so arg müde? Arg müde macht den letzten linken Studenten die Sache mit Gott. Die Sache mit Gott: ist nämlich kompliziert. Gerade auch: für einen Linken. Für einen letzten Linken: noch viel gerader. Denn wir wissen: Gott ist tot. Er wurde von Nietzsche ermordet.
[Der letzte linke Student von Jörg Sundermeier]

Ganz so dichotom, wie für den letzten linken Studenten hat sich unser Einführungsworkshop zur Kritik der Religion dann doch nicht gestaltet. Vielleicht lag es daran, dass Nietzsche nicht gelesen wurde und wir daher Schwierigkeiten hatten, wie es denn nun mit dem Verhältniss von Gott, Religion und Glauben ausschaut. Laut Sartre wissen wir zwar jetzt, dass es für Existentialist_innen überhaupt keine Rolle spielt, ob Gott existiert denn „selbst wenn es einen Gott gäbe, würde das nichts ändern“ (Sartre 1970: 63).
Die Beschäftigung mit Feuerbach kam schließlich zu dem Ergebniss, dass der Mensch selbst das Göttliche in sich trägt, die Natur des Menschen schließlich nur noch von der Projektion in den Himmel zurück zum Menschen selbst geholt werden müsse. Karl Marx konnte mit diesem Gedanken, den Menschen zu Gott machen zu wollen, sonderlich wenig anfangen, so proklamierte er doch schließlich in seinen Thesen über Feuerbach, dass es keine Trennung zwischen ideel Religiösem und praktisch Menschlichem geben könne. Die materialistische gesellschaftliche Basis müsse daher verändert werden um die wahrhaft menschliche Emanzipation zu erlangen. Die marxsche Religionskritik geht dabei soweit, dass die Ideale der französischen Revolution nicht die Befreiung der Menschen, und damit eben nur die Religionsfreiheit, ansstelle der Befreiung von der Religion, (Vgl. Marx 1976: 362) zum Ziel hatte. Wir vegetieren daher weiterhin, in der Illusionen gestützten menschlichen Vorgeschichte.

Eine vollständige Zusammenfassung und Auswertung des vielseitigen Workshops ist an dieser Stelle nicht möglich. Allerdings ist mit den erarbeiteten Präsentationen ein gewisser Überblick gegeben. Wir hoffen, einen religionskritischen Diskurs angestoßen zu haben, der spätestens im April im Café fortgesetzt wird.