Religionskritische Reihe Café Négation von März bis Juni 2011

Das Gefühl des Ozeanischen- Das Opium des Volkes?

Gründe für die Kritik der Religion und die Ablehnung Gottes gibt es viele. Ideengeschichtlich kann dies unterschieden werden in Ablehnung aufgrund der Vernunft, der Natur, der leidenden Kreatur, des Menschen, des Lebens, der Mündigkeit oder der Freiheit. Die Beschäftigung mit Kritik der Religion wird notwendig durch ihre trotzige Allgegenwärtigkeit. ‘Wir sind Papst’ oder die unzähligen Werbeplakate in der Stadt Dresden, welche penetrant zur Nächstenliebe und der Aufnahme von erwarteten Anreisenden für den evangelischen Kirchentag im Juni aufrufen, sind nur wenige Beispiele. Auch die gerade stattfindende Ausstellung Kraftwerk Religion im Dresdener Hygiene-Museum ist ein gutes Beispiel für die Aktualität des Glaubens. In jener wird neben marginaler Kritik vor allem eine Individualisierung des Glaubens beschworen durch Einzelinterviews, welche einen subjektiven Blick auf Glauben und Religion vermitteln.
Trotz der die Individuen befreienden Erkenntnisse der Aufklärung und offizieller Säkularisation in den meisten westlichen Nationen boomt der Glaube auf der Ganzen Welt, sei es in Form der großen Weltreligionen oder sei es in Gestalt von spirituellem Kitsch, Yoga oder Esoterik.
Wir wollen mit euch gemeinsam die Grundlagen für eine fundierte Religionskritik erarbeiten, und dies in verschiedenen Workshops, Vorträgen und Diskussionen realisieren.
Im März werden wir den Einstieg mit einem Workshop und Lesekreis von Grundlagentexten (Feuerbach, Marx, Sartre) beginnen. Darauf folgt im April ein Vortrag von Mark Schumacher zur Religionskritik nach Walter Benjamin und der damit einhergehenden Verknüpfung von Religion und Kapitalismus.
Im Mai folgt ein Input von Lars Quadfasel zum ‘heiligen Schein des Kapitals’ und der Kritik von Religion und Religionskritik. Dargestellt werden soll der zwanghafte Drang zu Glauben, als Suche nach Halt in einer undurchschaubaren kapitalistischen Vergesellschaftung, die Individualisierung von Religion als privates Gefühl und gleichzeitig die Kritik an positivistischer Religionskritik nach Dawkins.
Im Juni schließlich, wollen wir uns der Esoterik als ‘Ecstasy des Bürgers’ und deren Rolle als Religionsform der Moderne widmen. Claudia Barth wird darlegen, welch regressive Leitkultur sich in der schillernden Lehre der Esoterik befindet, wie nationale Mythen und rassisch-völkisches Gedankengut vermittelt werden.

Die Veranstaltungen finden ab März jeden dritten Sonntag im Monat in den Räumen der
Robert-Matzke-Straße 16 statt.
Wir freuen uns auf Kaffee, Kuchen und Religionskritik.